#27 - Beeinträchtigen (Qualitäts-)Medien den demokratischen Diskurs?
Shownotes
Medien haben in der Demokratie die Aufgabe, einen Diskursraum zu schaffen und die Mächtigen zu
kontrollieren. Doch wie gut werden sie dieser Rolle gerecht in Zeiten von finanziellem und politischem Druck?
Die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura sieht die Arbeit der Medien kritisch. Sie wirft ihnen vor,
zum Comeback neofaschistischer Ideen und Parteien beizutragen und macht dies konkret an bestimmten
journalistischen Praktiken fest.
Darüber und was anders werden muss spricht Vera Linß mit Nadia Zaboura.
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Titelbild: Christoph Colditz Musik: Pauline Wehner
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00:00:15: Herzlich willkommen zu Titel Story, dem Podcast der Rosa Luxemburg-Stiftung Sachsen.
00:00:20: Mein Name ist Vera Linz und ich bin im Gespräch mit Nadja Zabura.
00:00:24: Sie isst Kommunikationswissenschaftlerin, Polizistin und Medienkritikerin und Co-Autorin des Buchs Medien zwischen Macht und Ohnmacht wie Journalismus Vertrauen zurückgewinnen kann – das es im vergangenen Jahr erschien!
00:00:39: Herzlich Willkommen, Nadja.
00:00:40: Hallo,
00:00:41: ich freue mich hier zu sein.
00:00:43: Wir wollen darüber reden was aktuell im Journalismus schiefläuft und welche Auswirkungen das auf unsere Demokratie hat.
00:00:50: Anlass für unser Gespräch ist ein Vortrag den Nadia Zabura gemeinsam mit Leonhard Dobusch in diesem Jahr auf der Digitalkonferenz Republika in Berlin gehalten hat.
00:01:01: Der Titel des Vortrages hieß ganz normale Medien und ihr Beitrag zum Comeback des Faschismus.
00:01:08: Das ist ja erst mal eine provokante These, dass der Vormarsch neofaschistischer Ideen und Parteien, den wir tatsächlich beobachten können von den klassischen, also den ganz normalen Medien ermöglicht und sogar mitbefeuert wird.
00:01:20: Wir wollen uns das auch gleich im Detail anschauen.
00:01:22: welche Dynamiken da am Werke sind.
00:01:24: aus eurer Sicht aber erstmal grundsätzlich gefragt warum welcher Zusammenhang besteht da?
00:01:30: Also, wir müssten glaube ich ganz grundlegend einmal über die Funktion von Medien in einer Gesellschaft reden um dieses Warum gemeinsam ausdifferenzieren zu können.
00:01:40: Medien haben in der Gesellschaft eine zentrale Funktion.
00:01:44: man nennt sie ja auch nicht umsonst die vierte Macht.
00:01:47: Sie sind dafür da nicht nur Macht zu kontrollieren sondern zeitgleich Fakten basiert Informationen zu vermitteln und letzten Endes einen öffentlichen informationsgefüllten Raum anzubieten, indem überhaupt erst unsere gemeinsame gesellschaftliche und im besten Fall eine deliberative Debatte stattfinden kann.
00:02:11: Das heißt Medien haben eine sehr große Funktion in der Demokratie und damit auch für den Erhalt der Demokraties.
00:02:19: Wir sprechen hier natürlich immer wieder in der Wissenschaft von Medienmacht Und diese Medienmacht, das ist beobachbar über die letzten Jahre aber auch Jahrzehnte, ist in gewissen Bereichen immer eine Macht, die zu Veränderungen der Gesellschaft führen kann.
00:02:39: Die eben nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stattfinden können je nachdem mit welchem Medienmann das natürlich zu tun hat.
00:02:47: Das heißt, wir können hier nicht einmal mit dem groben Pinselstrich über die Medien reden sondern müssen stets am konkreten Beispiel arbeiten.
00:02:56: und dort zeigt sich eine grundlegende Problematik- und Herausforderung in deutschen Medien spezifisch zu besonderen Berichterstattungsfeldern.
00:03:06: Ich nenne da mal ganz konkret das hoch emotionalisierte und populistisch geprägte Thema Demigration, auch solche Themen wie beispielsweise Konflikte die im Ausland stattfinden sind hochrelevant für die Beobachtung.
00:03:22: Vielleicht noch mal trotzdem konkret gefragt was ist jetzt der Zusammenhang zwischen Faschismus Neo-Fascismus diesen Tendenzen und einer möglichen Beförderung durch Medien?
00:03:33: Also in Medien werden immer wieder gewisse Grundfunktionen des Faschismus, das heißt, dass gegeneinander aufhetzen.
00:03:41: Das Zeichen eines Bildes wir gegen die dann aber auch solche Grundfunctionen wie maximales Fremd machen und eben auch barbarisieren von Menschen, das Kulturalisieren vom Gewalt.
00:03:56: Und weitere Mechanismen leiden auch immer wieder in deutschen Medien sichtbar.
00:04:01: Das heißt, dass ich in Teilen auch journalistischer Medien grundlegende Konzepte des Faschismus wiederfinden und zwar in einer Art und Weise die nicht ausreichend journalistisch eingeordnet
00:04:14: wird.".
00:04:27: einen vortrittlichen Ansatz haben, die Demokratie fördern wollen.
00:04:31: Die auch einen sehr hohen journalistischen Anspruch haben und überhaupt nicht das Interesse die Demokraties zu zersetzen oder gar neofaschistische Tendenzen oder auch rechtsradikale Tendenz zu befördern.
00:04:43: Und ich würde mal durchgehen an was für Symptomen ihr das festmacht dass da eine Schieflage ist oder was nicht so im Journalismus ist wie es sein sollte.
00:04:52: zum Beispiel wird das im Gebrauch bestimmter Wörter sichtbar etwa im Wort umstritten.
00:04:58: Was ist das Problem am Wort umstritten?
00:05:01: Der Begriff Umstritten entlastet Journalisten und Journalistinnen von der gebotenen Bewertung ganz konkreter Sachverhalte und Fakten, und damit befreit er auch von der journalistisch gebotenen Einordnung.
00:05:15: Und das erfüllt eine ganz besondere mediale Funktion – es ist nämlich eine Form von Selbstentlastung von journalistischen Minimalstandards.
00:05:24: Jetzt kommen natürlich Menschen innerhalb der Medien und sagen, naja gut gerade im Nachrichtenjournalismus da gibt es eben nicht tatsächlich etwas zu bewerten.
00:05:32: Und dann möchte ich – und auch viele Menschen aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft – aktiv widersprechen!
00:05:39: Die Grundlage eines seriösen Journalismus, gerade auch des Nachrichten-Journalismus ist es Sachverhalte zu prüfen, zu validieren und entsprechend grundlegend einzuordnen.
00:05:52: Das heißt nicht, dass man hier einen Kommentar vornimmt – also eine eigene Haltung mit hineinbringt sondern es heißt einfach das man einen journalistischen Minimalstandard darstellt.
00:06:02: Wenn man jetzt immer wieder den Begriff umstritten verwendet, ein Begriff der inzwischen fast inflationär in deutschen Medien eingesetzt wird dann entledigt man sich dieser grundlegenden journalistischen Bewertung.
00:06:18: Vielleicht könntest du mal an einem Beispiel zeigen, wo dieses Wort umstritten genutzt wurde und möglicherweise unpassend war?
00:06:26: Ja also ich kann zwei ganz konkrete Beispiele mitbringen.
00:06:29: im
00:06:30: Oktober twenty-fünfundzwanzig hat Kanzler Merz seine sogenannte Stadtbildaussage gemacht.
00:06:37: Also eine Aussage mit klaren rassistischen Untertönen Im Zusammenhang mit Migration gäbe es ein Problem im Stadtbild.
00:06:46: Und diese Aussage wurde unter anderem von der ARD-Tageschau Eizkumpfstritten gekennzeichnet, wohingegen eine seriöse journalistische Einordnung vollkommen anders hätte lauten
00:07:00: müssen.".
00:07:01: Wie hätte das dann in diesem Beispiel aussehen sollen?
00:07:03: Ganz konkret wäre beispielsweise möglich gewesen, dass gesagt wird innerhalb des Journalismus das diese Stadtbildäußerung per se an gruppenbezogenem Menschenfeindlichkeit anschließt und dass das eben auf Kanzlerebene kommuniziert worden ist.
00:07:20: Das wäre der tatsächliche Nachrichtenwert gewesen in einer Gesellschaft der vielen, in einer gesellschaft der Pluralität.
00:07:28: Und ein konkretes weiteres Beispiel, was sehr aktuell ist.
00:07:31: Ist das von der Einordnung des Milliardaires Peter Thiel?
00:07:37: Laut dem WDR ist er selbst, ich zitiere, Stripenzier des kulturellen Rechtsrucks in den USA und auch hier hat die ARD Tagesschau diesen Akteur jüngst als umstritten bezeichnet.
00:07:52: Diese Bezeichnung nimmt quasi die journalistische grundlegende Bewertung komplett heraus, so dass das Publikum und damit die deutsche Gesellschaft nicht ausreichend darüber informiert ist.
00:08:04: Dass es sich hier um einen Menschen handelt der immer wieder durch zutiefst rassistische und misogühne Äußerungen sich hervortut.
00:08:13: Ist es nicht manchmal auch?
00:08:15: sage ich jetzt mal als Journalistin eine Zeitfrage und eine Platzfrage, dass man gar nicht die Möglichkeiten hat das alles so detailliert darzustellen.
00:08:23: Und dann greift man eben auf so ein zusammenfassendes Wort zurück?
00:08:28: Ja!
00:08:28: Das ist ein sehr guter Punkt und ich glaube auch in Rücksprache mit sehr vielen Journalisten und Journalisten gerade auch im Öffentlich-Rechtlichen aber auch im Privatwirtschaftlichen Mediensegment, dass die Logiken – also die Schnellheit.
00:08:42: Die Kürze und Verknappung gerade in einer informationell schnell getriebenen Welt tatsächlich dem geschultet sein könnte.
00:08:51: Und da muss aber dann aktiv hinterfragt werden innerhalb des Journalismus ob es das ist wodurch man sich tatsächlich auszeichnen möchte oder ob man nicht viel mehr sagt.
00:09:00: grade bei uns Beispiel öffentlich-rechtliche findet man die Tiefe, die Validierung Botene-Komplexität.
00:09:09: Das heißt, einfach nur Zitate auf Zitadekacheln zu packen und das Ganze zu adeln mit einem Medienlogo – das tut wenig im Bereich der journalistischen Professionalität, Integrität und Ethik.
00:09:23: Und genauso ist es bei der massenhaften Verwendung von solchen Worten die sich quasi wirklich an einer Bewertung aktiv verweigern wie umstritten.
00:09:33: Welche Wirkungen haben wenn wir mal diese beiden Fälle nehmen solche Äußerungen, die Nutzung des Wortes umstritten für diese beiden konkreten Fälle?
00:09:42: Nach meinem Dafürhalten und das wird in der Wissenschaft aber auch in der Medienkritik eigentlich fortlaufend diskutiert ist die grundlegende Problematik dass einfach nicht ausreichend Informationsgehalt an die deutsche Gesellschaft als Souverän vermittelt wird.
00:09:59: Anstatt also einen konkreten Sachverhalt zu benennen wie er ist wird stattdessen einfach so eine Art Floskel nach vorne gebracht, die es nicht ermöglicht.
00:10:10: Die notwendige Priorisierung der Thematik und auch die notwendige Einordnung der vorliegenden Probleme tatsächlich
00:10:19: abzubilden.".
00:10:21: Was für eine Erklärung hast du denn dafür dass man das macht?
00:10:23: Ist das tatsächlich wie schon angesprochen ... Zeitdruck oder ist es einfach auch so ein bisschen intellektuelle Faulheit, dass man eben keine Lust hat länger drüber nachzudenken.
00:10:33: Weil es natürlich differenzierte Sätze sind natürlich wahnsinnig aufwändig zu produzieren und da muss man schon mal nochmal ein paar Gedanken schleifen drehen.
00:10:41: Welche Erklärung hast du dafür?
00:10:42: Ja also es gibt verschiedene Erklärungsansätze.
00:10:45: noch liegen darüber keine wissenschaftlichen Studien vor.
00:10:50: das heißt was ich sage, ist entsprechend basierend auf vielen Gesprächen mit Journalistinnen und Journalisten im dualen Mediensystem.
00:10:58: Und was ich höre, ist dass es sowohl das Thema Zeitdruck ist als auch eine Art vorausallendes Einknicken ist.
00:11:10: Dieses vorauseilende Einknicken basiert darauf, dass gerade der öffentlich-rechtliche seit vielen Jahren unter konzertiertem Beschuss gerade von Rechten, Populisten und Faschisten.
00:11:24: Und dort eine mangelnde Neutralität dem öffentlich-rechtlichen attestiert wird.
00:11:30: Und anstatt dessen dass man dann innerhalb des öffentlich- rechtlichen auf Verantwortungsebene versteht das diese Angriffe eben tatsächlich konzertierte Kampagnen sind und auch internationales Vorbild haben sieht man immer wieder in den Gesprächen, dass Journalistinnen und Journalisten darüber berichten.
00:11:49: Dass lieber einmal etwas zu wenig bewertet wird und lieber das eine gegen das andere gestellt wird.
00:11:56: Und das ist natürlich ein ganz grundlegendes Problem weil man damit letzten Endes genau in diese Kampagne hineinläuft und damit auch in die Falle, die einem gestellt
00:12:06: wird.".
00:12:11: ganz normalen Politikern unter Beschuss, das muss man natürlich ergänzend auch dazu sagen.
00:12:16: Ja absolut!
00:12:17: Nehmen wir noch mal ein weiteres Beispiel für diese Dynamiken die ihr kritisiert.
00:12:24: also ein weiterer Begriff der immer wieder angewendet wird lautet Kritiker sagen.
00:12:30: Also man sagt nicht wer konkret was wie sagt sondern man sagt zusammenfassend Kritiker sagen, was ist hier das Problem an diesen beiden Worten?
00:12:41: Beim Begriff Kritiker Sagen findet zu einer Art Bewertungsverlagerung statt.
00:12:47: Das heißt dass der Verweis auf sogenannte Anonyme-Kritiker sich auch wiederum in eine Form journalistischer Objektivität und Neutralität kleidet und sich dabei eben auch weigert, einen Sachverhalt journalistisch einzuordnen.
00:13:03: Und zwar auf dem Boden sachlich faktischer Bewertung.
00:13:08: Das sieht man eben auch, dass es gerade notwendig wäre im deutschen Nachrichtenjournalismus wo immer wieder auch diese Bezeichnung und diese Floskel des Kritiker sagen verwendet wird.
00:13:21: Es fehlt einfach ganz konkret daran erkennbar zu machen A – wer sind die Kritiker?
00:13:27: B, wie seriös sind diese Kritiker?
00:13:31: und C gibt es eine Faktenbasis auf der diese Kritik fußt.
00:13:38: Was sagt beispielsweise die Wissenschaft?
00:13:40: Eine weitere Technik, die ihr kritisiert besteht in der Bewertungsverweigerung.
00:13:46: also man zieht sich einfach raus eine eigene Bewertung vorzunehmen.
00:13:51: als Journalist was für Beispiele hast du da präsent?
00:13:55: Ein ganz konkretes Beispiel stammt erneut von der ARD Tagesschau.
00:14:01: Es ist ein Pro- und Kontraformat, es geht um die Einigung zwischen der EU und den USA und wird beispielsweise getitelt mit guter Deal oder schlechter Deal.
00:14:15: Das ist ganz interessant, weil hier bewegt sich quasi die ARD Tagesschau selbst in einem Framework.
00:14:20: Selbst in einer Denklogik, die von einem der Partnern nämlich hier im Sinne der USA vorgegeben ist und das auch noch von jemanden, der durch ein hohes Maß an Populismus auffällt eben Donald Trump.
00:14:35: Anstatt selbst eine klare Bewertung vorzunehmen wo es eigentlich lang geht bei dem Thema Einigung im Zeustreit damals Mitte-Zweißenundzwanzig wird letzten Endes hier in der Titelzeile einfach sozusagen ein populistisches Narrativ nachgebildet.
00:14:56: Und ich komme noch mal zum letzten Punkt, Stichwort Doppelstandards.
00:15:00: das war auch eine Kritik in eurem Vortrag ja dass man mit verschiedenen Standards Dinge beschreibt und bewertet.
00:15:09: was wäre hier ein Beispiel dafür?
00:15:12: Ein ganz konkretes Beispiel ist eigentlich die gesamte Berichterstattung über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Vergleich zu deutschen Naostberichterstatterungen.
00:15:24: Hier zeigen sich ganz erhebliche Doppelstandards, ein ganz konkreters Beispiel das ich mitgebracht habe ist dass beispielsweise in der New York Times getitelt wurde how Russia is using Ukrainians hunger as a weapon of war, also wie Russland den ukrainischen Hunger als eine Kriegswaffe benutzt.
00:15:47: Und wenn es dann darum geht dass entsprechend Israel den völkerrechtswidrig okupierten Gasastreifen mit einer Vollblockade von jeglichen überlebensnotwendigen Gütern belegt Titel den New York Times ganz anders, nämlich Israel holds all aid into Gaza as ceasefire expires.
00:16:12: Also Israel stoppt alle Hilfen nach Gaza als der Waffenstillstand ausläuft.
00:16:21: Das ist eines von eigentlich unfassbar vielen und auch gesicherten Doppelstandards, die sich immer wieder in der Auslandsberichterstattung zeigen.
00:16:33: Hier sieht man je nachdem wie Deutschland eigentlich außenpolitisch agiert wer entsprechend Freund oder Feind ist wird in Teilen auch innerhalb der deutschen Medienbericht erstattung anders geframed.
00:16:50: und das hat nichts damit zu tun dass die Politik tief in die Medien eingreift, sondern bezieht sich darauf, dass in der Wissenschaft bereits in den Neunzehneinzigerjahren – Stichwort Bennett – festgestellt worden ist das sich gerade in der Auslandsberichterstattung Journalisten und Journalisten an politischen Elitendiskursen orientieren.
00:17:12: Was ich mich hier frage, ist der Punkt wie geht man damit um?
00:17:17: wenn man jetzt solche Doppelstandards kritisiert, wie er es tut.
00:17:21: Wie geht man damit um?
00:17:22: das ist dennoch ja immer sich auch um unterschiedliche Akteure handelt?
00:17:26: Also wenn ich jetzt zum Beispiel mal Russland nehme – Russland ist ganz klar ein Aggressor der die Ukraine überfallen hat ohne dass die Ukraine irgendwas gemacht hat während der Auslöser für den Naostkonflikt, wie wir ihn jetzt haben natürlich einer gewesen ist, dass es einen Angriff gab aus dem Gaserstreifen heraus auf Israel.
00:17:48: Will sagen das die Akteure dennoch natürlich immer ganz unterschiedliche Positionen einnehmen im Weltgeschehen weshalb ich zumindest nachvollziehen kann warum man da sozusagen mit einer unterschiedlichen Sprachwahl unter mit einem unterschiedlichen Blick an das Thema herangeht?
00:18:04: Das finde ich sehr interessant weil diese Differenzierung ist notwendig und zeitgleich kann sie entlasten von einer journalistischen Bewertung.
00:18:16: Die unabhängig davon, wer die angreifende Partei ist stets fest verankert ist im Volkerrecht der Menschenrechte und in den Menschenwürde – und dann wird das Ganze auf einmal unglaublich unkompliziert in der deutschen Naustberichterstattung weil Verstöße gegen das Volker Recht klar benennbar sind!
00:18:37: Und deswegen sehe ich keine größere Problematik, es ist natürlich wichtig abzubilden wo entsprechend historische Verankerungen und Verwurzelung auslöser stattgefunden haben.
00:18:50: Aber das entlastet nicht davon konkret zu benennen dass fortlaufend Völkerrechtsbrüche wie beispielsweise die systematische Aushungerung einer Zivilbefolgerung in einem illegal besetzten Gebiet vorgenommen wird.
00:19:06: Wollen wir mal auf die Wirkungen des Ganzen schauen, also dieser ganzen Beispiele, die wir jetzt besprochen haben?
00:19:11: Eure These lautet ja wie schon gesagt dass der Vormarsch neofaschistischer Ideen und Parteien eben dadurch befördert wird durch die klassischen Medien.
00:19:19: Was genau ist es was diese Wirkung hervorruft?
00:19:22: oder überhaupt welche Wirkung haben diese journalistischen Praktiken?
00:19:26: Die Praktiken gerade im Bereich der Doppelstandards und des Bayes, also der Unausgewogenheit in der Berichterstattung ist wissenschaftlich erwiesen.
00:19:39: Also ein konkretes Beispiel ist die deutsche Berichtestattung bei Palästina an Israel die laut aktueller Studien der Ludwig-Maximilians-Universität in München für ein großes Maß an Medienmistrauen sorgt.
00:19:53: Das heißt, dass Medien hier selbst Medienmistrauen aktiv verursachen.
00:19:58: und das ist eine große Problematik weil diejenigen, die weniger Vertrauen in Medien haben bzw.
00:20:04: die weniger vertrauen diese spezielle Medienthematik haben auch ein allgemeines Medienmistraum entwickeln.
00:20:11: Und das Problem ist, wenn ein allgemeines Medienmisstrauen sich entwickelt.
00:20:15: Aufgrund von fortlaufenden journalistischen Fehlverhalten auf Grund von Biases und Doppelstandards, von Bewertungsverweigerung und all dem was wir heute besprochen haben dann kann das auch These zu einem Institutionen misstrauen führen und auch zu einem allgemeinen Demokratie misstrauern.
00:20:35: Fakt ist aber auf jeden Fall, dass diejenigen, die sich aus der Debatte verabschieden und nicht mehr die Medien nutzen – diese beispielsweise anhand des Studievoroktober' XXIII – gerne genutzt haben, dass diese Menschen uns für die öffentliche Debatte verloren gehen.
00:20:51: Und das ist ein ganz großes Kernproblem in einem Land wie Deutschland, das zwar plural ist Aber indem immer wieder externe und interne Kräfte versuchen, uns zu spalten innerhalb der Gesellschaft.
00:21:05: Die Solidarität zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen aktiv zu unterminieren.
00:21:10: Das heißt Medien sind hier im Gegenteil dazu aufgerufen nicht in dieses Narrativ quasi hineinzugehen und sich dem sozusagen mit dienbar zu machen sondern im Gegental Komplexität zuzulassen Medienmisstrauenswirkung durch Journalistik-Mail Practice sofort hier und jetzt zu analysieren.
00:21:34: Das wäre nämlich meine Schlussfrage gewesen, was ist der Ausweg?
00:21:37: Also was muss sich ändern?
00:21:38: inwiefern müssen sich Journalisten anders verhalten?
00:21:43: also ihr sprecht ja auch von einem antiken Medienverständnis was da praktiziert wird.
00:21:49: Was wäre die Alternative zum einen antiken medienverständnis?
00:21:53: konkret betrachte ich einen Journalismus, der nicht antiek ist.
00:22:00: Als ein Journalismus der sich mit den jetzigen Lebensgegebenheiten und mit dem geopolitischen grundlegenden Verschiebung aktiv auseinandersetzt.
00:22:11: Und der aber stets basiert es in Völkerrecht, Menschenrecht und Menschenwürde – und zwar unabhängig davon um welche Gruppierung gleich welcher Herkunft, welcher Etnir Welche Religionszugehörigkeit und weiterer Marke es eigentlich geht.
00:22:27: Also das, was man eigentlich grundsätzlich als Kern des Journalismus verstehen würde.
00:22:33: Und ein weiterer Aspekt ist nicht nur diese absolute Gleichbehandlung also eine Universalität im journalistischen Arbeiten sondern ist es maßgeblich auch wieder die Rückkehr zur journalistischen Machtkritik als eigentlich die DNA eines Journalismus, der mehr und mehr unter Beschuss gerät.
00:22:55: Und deswegen haben Leonhard Dobow schon ich entsprechend auf die Republik einen Aufruf gestartet – und zwar dass sich deutsche Medien letzten Endes bekennen müssen zum antifaschistischen Wirken und Arbeiten genauso wie es letzten Enden nicht nur dem Medienstaatsvertrag vorsieht für die öffentlich-rechtlichen Medien sondern eben auch der
00:23:18: Pressekodex.".
00:23:20: Was meint denn diesem Zusammenhang antiques Medienverständnis?
00:23:23: Ist dieses Wort Antique wirklich historisch gemeint.
00:23:28: Es ist gemeint, dass es ein vereiltetes Verständnis von einer vermeintlichen Neutralität und Objektivität ist.
00:23:34: Ich nehme das immer ganz gerne neutralitäts- und objektivitätsfantasmer weil beispielsweise in den USA schon seit Dekaten dieses Phantasmer an Akta gelegt ist.
00:23:48: Weil klar ist Journalismus immer auch ein Stück normatives Denken in sich trägt, das Journalismus aus einer gewissen Position heraus schreibt.
00:23:59: Dass es eine gewisse Perspektivität innerhalb des journalistischen Arbeitens gibt.
00:24:05: Der US-Journalist und Wissenschaftler Jay Rosen hat das beispielsweise schon vor über fünfzehn Jahren aktiv beschrieben, indem er sagt es gibt keinen View from nowhere.
00:24:15: Es gibt keine Blick von außerhalb auf das Geschehen.
00:24:18: auch Journalisten und Journalisten sind immer Teil der Gesellschaft, sind hier sozialisiert und blicken mit bestimmten Perspektiven auf das Weltgeschehen.
00:24:27: Und wenn man sich anschaut wie gerade die Chefredaktionen in Deutschland besetzt sind dann findet sich etwas dort, was wir in der Wissenschaft als homosoziale Reproduktion bezeichnen.
00:24:37: Das ist maßgeblich eine Führungsetage die weiß es meistens männlich akademisch geprägt meistwestlich also grob natürlich mit entsprechenden Ausnahmen.
00:24:49: Also mehr Diversität in den Redaktionsstuben müsste man sagen würde ich auch teilen und maximale Transparenz über den eigenen Standpunkt dass man eben deutlich macht von wo man kommt und aus welcher Perspektive man das betrachtet
00:25:02: Ganz genau.
00:25:03: Das ist auch der Aufruf, den wir entsprechend in unserem Vortrag nach vorn gebracht haben und er sich eben deckt mit der Medien- und Journalismusforschung global.
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