# 25 - (Wie) Lässt sich der Pflegenotstand in Deutschland beheben?

Shownotes

Der Pflegenotstand schreibt beängstigende Zahlen. 5,7 Millionen Menschen waren 2023 hierzulande pflegebedürftig, Tendenz steigend. Doch gleichzeitig fehlen in Deutschland bis zu 690.000 Pflegekräfte. Auch deshalb, weil über eine Million Menschen, die eine Ausbildung im Pflegebereich haben, dort nicht mehr arbeiten - wegen der Bezahlung, vor allem aber wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Und wer einen doch Pflegeplatz findet, muss tief in die Tasche greifen: Der Eigenanteil im Pflegeheim beträgt aktuell im Bundesdurchschnitt 3245 € pro Monat. Wo liegen die Ursachen für diese desaströse Situation? Und lässt sich das überhaupt noch reparieren? Darüber spricht Vera Linß mit Jonas Leuwer. Er ist Pfleger, studiert berufsbegleitend Pflegewissenschaften und ist aktiv als Gewerkschafter in Dresden.

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00:00:15: Herzlich willkommen zu Titel-Story, dem Podcast der Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen.

00:00:21: Mein Name ist Vera Linds und ich bin im Gespräch mit Jonas Läufer.

00:00:25: Er isst Pfleger, studiert aktuell berufsbegleitend Pflegewissenschaften.

00:00:36: Unser Thema heute, der Pflegenotstand in Deutschland.

00:00:40: Die Fragen die wir beantworten wollen lauten wo liegen die Ursachen dafür und lässt sich das überhaupt noch reparieren?

00:00:48: Ich beginne mal mit ein paar Zahlen.

00:00:53: durch das Statistische Bundesamt, die meisten davon wurden zu Hause betreut.

00:01:00: Etwa achthunderttausend in Pflegeheimen.

00:01:02: Bis zwei tausend neunundvierzig fehlen in Deutschland.

00:01:05: bis zu sechshundertneinzig Tausend Pflegekräfte sagt auch das Statistsische Bundesamt.

00:01:12: Über eine Million Menschen haben eine Ausbildung im Pflegebereich, arbeiten aber dort nicht mehr.

00:01:17: zu der Arbeitsforscher Philipp Frey.

00:01:19: Grunds sind nicht nur die Bezahlung sondern vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen sagt wiederum eine Studie der Hansböckler Stiftung.

00:01:26: und letzte Zahl – Der Eigenanteil für einen Platz in den Pflegeheimen beträgt aktuellem Bundestuhl-Schnitt drei tausend zweihundertfünfundvierzig Euro schreibt das Handelsblatt.

00:01:36: und da möchte man nicht pflegebedürftig werden.

00:01:39: Jonas Läufer, du kennst dich aus in der Pflege weil du dort seit zehntausend siebzehn arbeitest?

00:01:44: Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

00:01:46: Ja Die Zahlen, die jetzt bereits genannt wurden sind jetzt natürlich schwer fassbar.

00:01:51: Aber wenn man sich das nochmal aus einer anderen Perspektive verdeutlicht, merke ich sowohl in meinem Umfeld mit meinen Kollegen, dass der Druck in der Pflege auch von den Arbeitsbedingungen sehr stark ist.

00:02:05: Wir arbeiten einerseits in einem sehr belastenden Umfeld und einerseits haben wir eine koalkörperliche, andererseits auch eine hohe psychische Belastung.

00:02:14: Andererseits haben Wir haben einen wahnsinnigen Kostendruck.

00:02:19: Wir arbeiten im Schichtdienst und wir merken natürlich den Fachkräftemange, also auf immer weniger Köpfe kommen immer mehr Patienten und Pflegebedürftige.

00:02:29: Und das ist natürlich eine Sache die uns schon auch große Sorgen macht.

00:02:34: wie geht es in der Zukunft weiter?

00:02:36: Und wir müssen natürlich auch darüber sprechen dass Verantwortung für uns natürlich auch schön wäre deine entsprechende Vergütung dafür zu bekommen.

00:02:45: Vielleicht zwei Zahlen dazu von die Arbeitskräftemangel.

00:02:49: Ein großes Thema, wie kann man sich das vorstellen?

00:02:51: Wenn man jetzt eine Schwester hat oder das männliche Pendant ist dann der Pfleger für viele Menschen, ist man da verantwortlich?

00:02:58: Also eine allgemeingültige Aussage lässt sich da schwer treffen, weil die Pflege und das ist ja noch schöner an der Pflege.

00:03:04: Ist relativ vielfältig.

00:03:06: auf Intensivstationen kann es sein dass du für zwei drei Patienten zuständig bist aber es variiert natürlich.

00:03:12: wir reden auch bei Seniorenheim Das im Nachtdiensten Es nicht ganz unüblich ist auch als eine Kraft für vierzig Leute zuständig zu sein Und da sollte natürlich nichts mehr passieren.

00:03:24: und gerade das ist natürlich ein großes Problem eine große Gemengelage.

00:03:30: Wir haben immer wieder ganz besondere Bedürfnisse, auch unserer Pflegebedürftigen und wir haben natürlich auch Ereignisse die wir vorher nicht planen können und dadurch ist es für uns immer wieder wie eine Wundertüte leider Gottes im negativen Sinne weil wir merken Okay, egal wie es geplant wird.

00:03:50: Wir sind einfach zu wenig und das stellt für uns in den Problem dar aber gleichzeitig auch für die Patienten denn wir haben dann auch ein großes Sicherheitsrisiko für unsere Pflegebedürftigen.

00:04:01: Wer ist daran schuld?

00:04:02: Ist das schlechte Planung oder eben der schon angesprochene Arbeitskräftemangel oder die auch schon angesprachene Bezahlungen?

00:04:09: Wo liegt da die Ursache?

00:04:11: Ich glaube, das ist alles miteinander verwoben.

00:04:14: Wir haben natürlich schon seit Jahren einen Fachkräftemangel der durch eine bessere Planung nicht mehr... so kompensiert werden kann.

00:04:21: Gleichzeitig sind wir da in ein zirkulos-vizioses, in einen Teufelskreislauf gefangen, dass wenn wir zum Beispiel die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung nicht anpassen, wir natürlich auch keine neuen Leute gewinnen.

00:04:33: Sprich das Problem hat sich lange schon eingepägelt und ist sich selber erhaltend, sodass es mittlerweile vor allem ein politisches Problem

00:04:43: Das wollen wir gleich noch besprechen, wie man das lösen kann.

00:04:46: Wenn wir nochmal kurz zurückblicken während der Corona-Pandemie da waren die Pflegenden ja in aller Munde.

00:04:51: Da hat man sogar Applaus bekommen von der Öffentlichkeit und alle und ihr wahrscheinlich auch dachtet jetzt wird da mal ein Blick drauf geworfen und da wird sich einiges ändern.

00:05:01: ist das aufgegangen?

00:05:03: Naja, wir hatten große Hoffnung.

00:05:05: Ich war damals frisch ausgelernt zur Corona-Pandemie und wir hatten eine große hoffnung dass sich jetzt da was verändert weil Wir hatten immer gesehen okay Jetzt ist das System wirklich richtig vor die Wand gefahren Und wir dachten ok jetzt können wir es wieder wie der Phoenix aus der Arche wieder neu aufbauen.

00:05:22: Aber nein leider Gottes ist es nicht aufgegangen Weil so groß wie der Applaus war umso weniger Wiederhall war in den Folgejahren.

00:05:30: also wir waren wieder relativ schnell mehr politisch interessant geworden.

00:05:35: Und wir haben jetzt noch viel größere Probleme, weil natürlich während der Corona-Pandemie viele Kollegen auch gesagt haben unter diesen Bedingungen möchte ich nicht mal weiterarbeiten.

00:05:44: die haben den sogenannten Flexit vollzogen das heißt denn Auslieg aus der Pflege und dadurch sind wir eigentlich mit größeren Problemen konfrontiert

00:05:54: Und hat man es vielleicht auch ein bisschen mit sich machen lassen?

00:05:56: Also, das sind ja nicht alle rausgegangen aus der Pflege.

00:05:59: Es arbeiten ja noch Menschen dort.

00:06:00: Habt ihr euch vielleicht genug gewährt oder laut genug geäußert?

00:06:06: Also das kann man tatsächlich schon so sagen, es ist natürlich etwas überspitzt dargestellt.

00:06:11: Nicht genug gewährt... Es gab natürlich auch große Diskussionen in denen wir uns eingebracht haben aber gleichzeitig waren wir natürlich auch empfänglich für Durchhalteparolen weil wir waren ja jetzt plötzlich ein politisches Thema und Da haben wir uns ein Stück weit um den Finger wickeln lassen und wir hatten immer die Hoffnung, okay jetzt ist was im Schwung.

00:06:32: Jetzt könnte etwas besser werden dass das nicht aufgegangen ist Das konnte man damals nicht sehen.

00:06:37: Und klar Wir haben uns da eindeutig mehr oder weniger auch kaufen lassen und das geht eben halt nicht mehr.

00:06:45: Ich könnte mir auch vorstellen, ein Pfleger ist ja auch eine besondere Berufsgruppe.

00:06:48: Das sind ja Menschen die anderen Menschen sehr zugewandt sind und auch glaube ich sehr geduldig sind und da sagen okay ich mach's nochmal einfach weil sie eben möchten dass es den Leuten gut geht.

00:07:00: also das könnte natürlich auch ein Grund sein, dass man da ein wirkliches Wohlwollen auch leichter ausnutzen kann.

00:07:06: Ja, definitiv.

00:07:07: Wir reden ja auch immer wieder und das ist ein großes gewerkschaftliches Thema auch bei Streiks.

00:07:13: wir reden immer wieder von moralischer Erpressung in der Pflege.

00:07:17: Es wird natürlich immer mit so einen Schreck gespielt wenn du fehlst dann ist die Patientenlage unsicher.

00:07:23: Du gefährdest damit und wenn du dich weiter einpringst, dann bist du der Nestbeschmutzer natürlich.

00:07:29: also diese moralische Erpressung spielt immer wieder eine Rolle in sämtlichen Bereichen in der Pflege Und da muss man wirklich ran gehen und bewusst sich auch reflektieren können um dieses Narrativ auch durchbrechen zu können.

00:07:43: Und andererseits frage ich mich, wie kann man denn in der Pflege überhaupt streiken?

00:07:46: Wenn ich mir vorstelle, wenn ich jetzt da streiken würde dann schlägt ja das gewissen gleich nochmal zehnmal Stimme.

00:07:53: Ja klar und das ist definitiv so.

00:07:55: aber man muss sagen es gibt auch eine lange Streikerfahrung und es gibt gute Strategien dass man insbesondere auch im Krankenhaus sagen kann okay diese Hüft-OP beispielsweise die wird nicht heute gemacht am Streiktag, sondern die wird aufgeschoben.

00:08:12: Weil sie zum Beispiel heute nicht dringend notwendig ist.

00:08:15: Man kann bestimmte Eingriffe verschieben und da kann man durchaus was machen ohne eine direkte Schaden bei den Patienten zu verursachen.

00:08:25: Und andererseits muss man aber auch ganz klar und deutlich sagen wenn wir uns weiter moralisch erpressen lassen und die Arbeitsbedingungen noch schlechter werden dann würde natürlich die Arbeitsbedingung erst recht gefährlich für die Patienten.

00:08:38: Also man sieht, wenn man streikt gibt es durchaus Probleme.

00:08:42: Aber wenn ich es nicht tue ist das Problem eigentlich noch viel größer

00:08:46: bzw wird verschoben weil sich die Bedingungen dann vielleicht noch weiter verschlechtern oder nicht verbessern.

00:08:52: schauen wir mal aufs Geld.

00:08:54: am Geld denkt man kann es ja nicht liegen.

00:08:56: Ich habe schon gesagt über drei tausend Euro Eigenanteil muss die zu pflegende Person zahlen in einem Heim.

00:09:04: Dazu kommen ja auch noch die Zahlungen aus der Pflegekasse, das heißt ein Platz kostet über fünf tausend Euro.

00:09:11: Warum ist das so teuer?

00:09:13: Ja, also einerseits haben wir natürlich die Personalkosten.

00:09:16: Man könnte jetzt sagen, Personalkosten sind jeden Betrieb der große Kostenfaktor.

00:09:21: aber gucken wir uns dann wiederum an wie eben halt das Verhältnis zwischen Pflegekräfte und Pflegebedürftigen ist geht es nicht so richtig auf.

00:09:30: Und da muss man ganz klar nochmal unterscheiden.

00:09:32: im Pflegeheim bezahlt man einerseits die rein Pflegekosten gleichzeitig auch Unterkunft- und Verpflegungsgeld Dann werden Investitionskosten auch abgerechnet, zusätzlich Ausbildungskosten und Zusatzleistung.

00:09:46: Also wir haben da fünf Bausteine die bezahlt werden und man sieht... Nur ein tatsächlich von den Pflegekosten.

00:09:54: Es wird also viel mehr abgerechnet, was nicht unbedingt zwangsläufig nur etwas mit der Pflege zu tun hat.

00:10:00: und da muss man auch leider Gottes sagen, da wird auch etwas gespielt und das wird etwas intransparent gemacht und lässt natürlich die Kosten steigen ohne dass es unbedingt als Personal weiter

00:10:11: kommt.".

00:10:12: Man fragt sich ja wer profitiert von der Pflege?

00:10:14: Wo geht das Geld

00:10:15: hin?!

00:10:16: Klar, also Sachleistungen.

00:10:17: Also so diese Basisleistung das ist natürlich alles verständlich.

00:10:20: aber wenn ich jetzt in so ein Heim komme und ich sehe da eine Krankenschwester oder einen Pfleger auf sagen wir mal achtzehn Leute und ansonsten so ne Basisversorgung frage ich mich auch dafür.

00:10:29: jetzt sagen wir einmal sechs tausend Euro im Monat wer verdient er?

00:10:34: Also wir müssen auch uns die gesamte Struktur vom Pflegewesen anschauen.

00:10:38: Wir haben da natürlich einerseits die kommunale Hand, die aber immer mehr privatisiert hat und andererseits auch kirchische Träger werden immer schwächer leider Gottes.

00:10:49: Und wir haben mittlerweile eine plündende Industrie von immer wieder neuen Trägern, die teilweise auch börsennotierte Unternehmen sind.

00:10:58: Die wollen Profit maximieren – das ist gerade das Problem!

00:11:03: Gottes.

00:11:04: diese Grundversorgung, die wichtig ist auch für uns und Schad haben wir in privater Hand gegeben.

00:11:10: Und dass man da schaut okay wie kann ich noch mehr Geld rausschlagen?

00:11:14: Ist ganz klar das eben halt zu Lasten des Personals unter Pflegebedürftigen geht.

00:11:20: Genau, nämlich auf dem Markt sind internationale Investmentgesellschaften unterwegs.

00:11:25: Die alles aus der Pflege rauspressen und die haben natürlich den Vorteil dass das Geld ja immer fließt.

00:11:30: entweder zahlt die Privatperson oder wenn die nicht zahlen kann springt halt der Staat ein.

00:11:35: Kann man hier von einem Politikversagen sprechen?

00:11:37: Dass das so stark privatisiert worden ist zum einen und dass es zum anderen offenbar undurchsichtig ist wo diese Gelder hinfließen.

00:11:46: Definitiv ist das ein Politikversagen.

00:11:48: Wir haben, was das angeht, einen fast unregulierten Markt der überhaupt gar nicht mehr transparent ist und vor allen Dingen haben wir da auch eine Notlage die ausgenutzt wird.

00:12:00: Man findet ja auch nicht mehr so einfach nen Pflegeheimplatz.

00:12:03: Sprich man geht zum Nächstbesten der Plätze hat und nach.

00:12:07: klar wird dann aus dieser Not auch Kapital geschlagen.

00:12:10: Und das ist eindeutig ein Versagen auf politischer Ebene und zwar auf allen Ebenen.

00:12:16: Wie ist es denn dazu gekommen?

00:12:19: Klar ist, dass Pflege und das Gesundheitswesen ein wahnsinnig großer Kostenfaktor war.

00:12:25: Sprich man hat sich staatlicher politischerseits Bemüht diese Kostenfaktoren ein Stück weit auszulagern, auch zu sourcen.

00:12:34: Wir hatten insbesondere auch nach der Wende die Tendenz so viel wie möglich auch zu privatisieren damit man sich ein Stück weiter auch gesund spart.

00:12:43: also die große schwarze null war das Ziel.

00:12:46: und da ist man auf die Idee gekommen okay Ich übergebe diese Aufgabe der privaten Hand und gucke, was der Markt so macht.

00:12:54: Und jetzt kommt man auf den Trichter okay das geht aber nicht mehr auf und das kriegt man leider Gottes nicht mal wieder

00:12:59: eingefangen.".

00:13:01: Man bekommt es nicht mehr eingefangt, aber man muss es ja irgendwie einfangen weil die Zahl der zu pflegenden wird steigen in den nächsten Jahren Nicht zu die Zahl der Arbeitskräfte, so sieht es zumindest aus.

00:13:12: Es werden natürlich auch viele aus dem Ausland angeheuert, viele KollegInnen.

00:13:17: Ja wie kann man's denn wieder einfangen?

00:13:20: Da gibt´s natürlich mehrere Forderungen, die alle ineinander verzahnt sind.

00:13:24: Einerseits ist es ganz wichtig erstmal festzustellen wir haben eine... gesellschaftliche Verantwortung und so oder so hängt sich los endlich wieder am Start, bestimmte Sachen da wieder einzufangen.

00:13:37: So dass wir überlegen müssen was ist es uns wert?

00:13:40: Und da gehört eben halt zu den Forderungen einerseits brauchen wir einen Flächentarifvertrag Wir müssen uns darauf verlassen können das die Pflegekräfte für gleiche Leistung wirklich ein gerechten Lohn erhalten.

00:13:52: Andererseits müssen wir auch sagen wir müssen wieder an die Arbeitsbedingungen rangehen Das heißt wir müssen schauen dass es keine Aushöhlung des Arbeitszeitgesetzes gibt, das der Schichtdienst auch wieder attraktiv wird.

00:14:06: Andererseits, dass wir auch gute Personalbemessungsgrenzen einhalten die nicht nur einen Mindestmaß darstellen sondern dass wir wirklich da schaffen es so zu beleben, dass Wir auch wirklich genügend Leute haben und nicht nur das Minimum abdecken können.

00:14:23: Und dann muss man auch wieder nochmal in eine Studie gehen Die hieß ich pflege wieder wenn.

00:14:29: Diese Studie war unter anderem auch von der Hans-Böckler-Studie mit betreut worden.

00:14:34: Und da wurden eben Pflegekräfte in Teilzeit gefragt oder Pflegekäfte, die ausgestiegen sind.

00:14:39: Was muss sich denn verändern damit sie wieder entweder in Vollzeit gehen oder wieder zurück in die Pflege?

00:14:46: Und das sind eben halt genau die Sachen bessere Arbeitsbedingungen, bessere Patientenpflegeverhältnisse und eben halt auch bessere Arbeitseitmöglichkeiten.

00:14:58: Und wenn das im Eintritt hat man tatsächlich hochrechnen können, dass bis zu dreihundert Tausend bis in den optimalen Szenario sechstundsechzigtausend Pflegekräfte in Vollzeit wieder zurückkommen könnten.

00:15:11: Wir haben ja die Zahl am Anfang gehört es wäre genau dieser Bedarf, den wir haben, wieder gedeckt.

00:15:17: Das heißt Arbeitsbedingungen wieder besser anpassen und vielleicht sollte man auch überlegen ob man die Privatisierung ein Stück weit zurückdrehen könnte.

00:15:25: Dazu würde ich gleich noch mal kommen, aber wie ist denn das?

00:15:28: Gibt es da nicht jetzt schon Standard?

00:15:29: Sagen wir mal, wie viel zu Pflegende auf eine Krankenschwester oder einen Pfleger kommt.

00:15:34: Zum Beispiel plus Hilfspersonal gibt's ja auch viele die dort arbeiten, die dann die Küche machen oder trotzdem die Patienten anziehen waschen und so weiter.

00:15:42: Gibt's da nicht nun schon Standards?

00:15:45: Ja also insbesondere im Krankenhaus haben wir unter anderem die sogenannte Pflegepersonal Untergrenzenverordnung Und die sogenannte PPR-Zwei-Punkt-Null, das ist die Pflegepersonalregelung zwei Punkt Null.

00:15:57: Das sind Instrumente, die versuchen das abzubilden.

00:16:01: Aber das große Problem ist da geht es vor allen Dingen um Durchnitzwerte!

00:16:05: Wenn aber natürlich eine Nacht jetzt besonders intensiv ist und ich ... schwerwiegende Pflegeverhältnisse habe, dann kann ich nicht mit Mindestmaßarbeiten.

00:16:17: Sondern da muss sich wirklich alles geben so dass diese Instrumente noch nicht optimal sind um wirklich gute Qualität darzustellen sondern bei diesem Instrumenten geht es vor allen Dingen darum, ein Mindestmaß darzustellen.

00:16:31: Und das ist natürlich kein Optimum und gleichzeitig sind diese Instrumente vor allem fürs Krankenhaus gedacht.

00:16:37: aber wo findet jetzt Pflegebedürftigkeit?

00:16:39: Vor allen Dingen Schatt!

00:16:40: Das ist eben halt in der alten Hilfe und da fehlen zum Beispiel solche Bemessungsinstrumente die eben halt wirklich das regulieren können.

00:16:51: und natürlich ist es ganz klar... Ein Instrument, wenn ich das eben als gesetzliche Grundlage nehme muss auch kontrolliert werden und das findet im Moment noch nicht genügend statt.

00:17:01: Aber es findet statt denn immer wieder liest man ja auch davon dass Heime geschlossen werden weil sie den Standards nicht genügen.

00:17:06: also es gibt eine Überwachungsinstitution gibt es schon

00:17:09: Ja, das definitiv.

00:17:11: Aber die Frage ist wie lange wurde dann schon zugeschaut?

00:17:15: Also wir reden immer wieder auch bei den News, die wir sehen dass Altenpflegeeinrichtungen geschlossen worden da wurde schon mehrere Monate zugeschraubt weil es gibt de facto keine Alternativen.

00:17:26: Das heißt wenn ich ein Pflegeheim schließe Dann stehen die Leute die dort versorgt wurden plötzlich wieder vor nichts und müssen dann wieder auf andere Heime zum Beispiel verteilt werden Die dann dort wieder überlastet sind.

00:17:39: halt auch eine Gemengelage, die durchaus auch ausgenutzt werden kann.

00:17:44: Weil da wird natürlich gespielt hier wenn ihr mich dicht macht als Altenpflegeheim dann kümmert euch selber um die Leute und ich glaube das ist eben halt eine schwierige Lage die unbedingt angegangen werden muss dass man sich eben halt nicht so erpressbar macht.

00:17:58: Kommen wir nochmal zur Bezahlung.

00:17:59: du hast ja schon mehrfach gesagt es muss

00:18:01: gut

00:18:02: vergütet werden.

00:18:03: Und es ist ja auch eine sehr harte Arbeit finde ich, also körperlich harte Arbeiten.

00:18:07: auch Menschen sind ja auch schwer und je nachdem was sie für Krankheiten haben auch gar nicht so einfach zu bewegen dass die sich waschen lassen oder andere Sachen.

00:18:16: Was wäre denn eine angemessene Vergütung?

00:18:18: kann man das in Zahlen ausdrücken?

00:18:20: Das ist tatsächlich schwierig in Zahlen auszudrücken, weil auch da die Pflege eine wahnsinnig große Berufsgruppe und wir müssen auch da nochmal über paar andere Zahlen reden.

00:18:32: Dass zum Beispiel über achtzig Prozent der Pflegekräfte erstens mal Frauen sind.

00:18:37: Und gleichzeitig haben wir einen großen Teilzeitanteil von über vierzig Prozent.

00:18:42: Das heißt, wenn wir immer von ganz tollen Vollzeitgehälttern reden dann ist das natürlich nicht die Realität und wir haben natürlich auch noch andere Sachen, die dort mit rein spielen.

00:18:54: Wenn ich habe viel in meinen Kollegenkreis junge Mütter zum Beispiel, die können nur Teilzeit gehen und sie müssen auch um die Versorgung ihrer Kindersicht darum kümmern.

00:19:04: Und das im Schicht ist natürlich sehr schwierig Und na klar, wir verdienen gerade auch im Krankenhaus nicht schlecht.

00:19:11: Aber wir tragen auch eine wahnsinnig hohe Verantwortung und ich glaube, wir müssen da immer wieder auch neu verhandeln weil wenn ich jetzt einfach eine Zahl auf den Tisch legen würde dann würden viele Leute sagen nee das ist immer noch nicht genug und ich denke dass es eine Sache die noch ausgelotet werden muss und vor allen Dingen nur im Gesamtpaket zur Geltung kommt, wenn wir uns auch um die anderen Arbeitsbedingungen kümmern.

00:19:35: Ein anderer Punkt ist, du hast es angesprochen die Privatisierung zurückzudrehen und was mir auch wichtig erscheint Transparenz irgendwie herzustellen.

00:19:43: Dass man also von außen nachvollziehen kann wo fließt denn welches Geld hin?

00:19:49: Ich stelle mir das gar nicht so einfach vor mit der Privatisierung das zurück zu drehen und Transparens herzustellt.

00:19:54: wie kann man sowas machen?

00:19:55: Das müsste man ja eigentlich politisch beschließen.

00:19:57: Ja, definitiv.

00:19:58: Es gibt keinen anderen Weg als den politischen Weg und das wäre natürlich auch wieder nur mehrstufig möglich.

00:20:04: Wir sind gerade hier in Dresden natürlich auch in so einer Diskussion verwickelt.

00:20:10: was machen wir zum Beispiel mit unserem kommunalen Krankenhaus?

00:20:13: Auch da gab es immer wieder Ideen kann ich da etwas privatisieren oder nicht!

00:20:18: Es wäre der erste Schritt zu sagen dass was im Moment in der öffentliche Hand ist das wird Jetzt schon mal nicht privatisiert.

00:20:25: Und dann ist der zweite Schritt zu überlegen, okay jetzt sehe ich zum Beispiel da ein Altenpflegeheim was im Moment zum Beispiel nicht mehr den Standard einhalten kann vor der Insolvenz steht.

00:20:36: kriege ich das wieder dadurch sukzessive vielleicht wieder in die öffentliche Hand?

00:20:41: also es muss nicht sein dass wir das innerhalb der nächsten fünf Jahre machen.

00:20:46: aber es wäre zumindest nicht einmal in die Zukunft gedacht.

00:20:48: wenn wird das sukzessives immer wieder fortschreitend versuchen dass ein Stück weit zurückzutreten, die Privatisierung.

00:20:56: Zukunft ist ein gutes Stichwort.

00:20:57: Zum einen haben wir schon festgestellt, die Zahl der Pflegebedürftigen wird steigen einfach auch weil die Gesellschaft älter wird.

00:21:04: aber eine andere Idee wäre ja auch diesen Trend zur Pflegebedürftigkeit zu stoppen also vielleicht präventiv zu handeln und ich weiß du Arbeitest da mit anderen zusammen an sehr interessanten Ideen, wie man vielleicht auch es erreichen kann, dass eben nicht mehr so viele Menschenpflege bedürftig werden.

00:21:22: Was sind das für Konzepte?

00:21:25: Also na klar, Pflegebedürftigkeit erst gar nicht entstehen zu lassen ist das große Schlagwort.

00:21:30: Und da reden wir viel über Prävention und gesundheitliche Bildung vor allen Dingen.

00:21:35: Weil wenn wir uns anschauen wie Pflegebedürftigkeit definiert ist dann ist es eine Einschränkung in der Selbstwirksamkeit.

00:21:42: Wenn die Leute selbst wirksam sind kommen sie nicht in die Pflegebedürftigkeits.

00:21:47: Ich studiere jetzt im Moment im Master Community Health Nursing die sogenannte Gemeindekrankenpflege.

00:21:54: Das ist jetzt nicht eine ganz genaue Übersetzung, aber das trifft euch schon ganz gut!

00:21:58: Das heißt wir wollen Strukturen aufbauen, die den Menschen ganzheitlich betreuen vom kleinen Kind letztendlich bis zum Senior, dass dort Beratungsangebote stattfinden.

00:22:10: Dass dort andererseits auch Angebote stattfinden zur Prävention aber auch natürlich das wir die Leute aktivieren und dass wir schauen, dass sie immer wieder im Prozess eingebunden bleiben erst zu uns kommen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

00:22:29: Und da sind neue und auch innovative Wege die wir durchaus vor allen Dingen jetzt auch schon auf Projektebene austesten aber die wir viel mehr ausdehnen müssen weil wir sehen natürlich auch im gesamten Gesundheitswesen es tun sich immer weiter Lücken auf und wir können dass eben halt nur diesen Trend begegnen wenn wer die Pflegebedürftigkeit im Entstehen stoppen.

00:22:52: Wie laufen solche Tests ab?

00:22:53: Das finde ich interessant, wie man eine Pflegebedürftigkeit stoppen kann.

00:22:58: Aufklärung ist etwas ... Was macht ihr da?

00:23:01: Also, Aufklärungen ist etwas fast schon zu kurz gegriffener Begriff, weil zur Aufklärungszeit gehört eben wirklich Gesundheitsschulungen.

00:23:11: Wenn ich verstehe was in meinem Körper stattfindet, wenn ich versteh, wie Krankheit entsteht... welche Risikofaktoren kann ich wie verhindern, dann kann ich auch aktiv dagegen steuern.

00:23:26: Wir gehen also durchaus zu den Leuten hin und sagen du hast es selber in der Hand!

00:23:31: Du kannst partizipativ mitmachen oder du kannst sogar komplett deine Gesundheit in die eigene Hand nehmen und dafür brauchen eben halt die Leute wirklich auch das Wissen dazu.

00:23:42: Das heißt man geht in die Schulen, redet mit den Kindern oder man geht auch natürlich zu besonders vulnerablen Gruppen und sagt hey wie sieht es aus?

00:23:52: Mir ist aufgefallen hier ist zum Beispiel ein Risiko vertreten.

00:23:57: wollen wir darüber reden.

00:23:59: Und wollen wir das zusammen angehen?

00:24:01: und das ist glaube ich ganz wichtig dass gerade beim Community Health Nursing gibt's nicht mehr darum von Medizin oder Pflege, von oben herab.

00:24:09: Sondern wir sind im gleichen Boot mit den Empfängern und eben den Gruppen damit diese Selbstwirksamkeit einfach sich entwickeln kann.

00:24:19: Und ich glaube das ist ein ganz schöner Ansatz weil es natürlich auch demokratisch und ich sage die Leute in ihrer Selbstwirksamkeit, weil sie das Gefühl haben okay, ich kann selber was tun.

00:24:29: Wenn ein Mensch selber etwas tun kann, ist er auf andere Leute nicht mehr angewiesen?

00:24:32: Also es geht darum nicht immer nur Menschen gesund zu machen sondern Sie dazu zu befähigen, gesund zu bleiben.

00:24:40: Wie schwer ist so was durchzusetzen?

00:24:42: Wie groß sind die Widerstände gegen so einen

00:24:44: Ansatz?".

00:24:46: Daher hat das im Moment noch ein großes Verständnis für die Problemlage.

00:24:50: Also, alle kennen das Problem aber sie verstehen das Problem noch nicht und dadurch sind die Widerstände natürlich noch sehr groß vor allen Dingen auch politisch.

00:25:00: um sowas nachhaltig zu implementieren brauchen wir gesetzliche Rahmenbedingungen.

00:25:05: Wir brauchen aber auch Leute die bereit sind dort zu arbeiten Und das braucht natürlich schon auch seine Zeit bis man diese Leute rekrutiert und andererseits auch den Gesetzgeber dazu animiert, gesetzliche Grundlagen dafür zu schaffen.

00:25:19: Da müssen noch dicke Bretter gebot werden.

00:25:21: aber ich bin da relativ zuversichtlich weil es gibt genügend begeisterte Pflegekräfte die darauf Bock haben und die sagen okay das muss sich was verändern.

00:25:30: lassen uns mal etwas Neues ausprobieren

00:25:32: Und das ist ja auch keine Absage an die klassische Medizin.

00:25:35: Ich glaube, es sind verschiedene Wege, die man da gehen muss, weil es gibt ja auch Krankheiten, fällt mir zu einem Demenz oder andere... Da kenne ich zumindest auch Menschen wo ich sage, die haben sich immer gut bewegt und haben es trotzdem bekommen.

00:25:47: also es sind so verschiedene Wegen, die da zum Ziel führen.

00:25:51: Genau, da reden wir im klassischen Sinne von der Ganzheitlichkeit.

00:25:53: Auch wenn Ganzheitigkeit im Moment so ein kleiner Werbebegriff ist fast nur einen Kampfbegriff aber... ...wenn wir über diese Angebote reden, ist ganzheitlichkeit wirklich so umfassend gemeint im klasslichen Sinne des Wortes.

00:26:06: Wir wollen niemanden irgendwie den Job wegnehmen oder wir wollen auch keinen Hausarzt seiner Hausarzpraxis schreitig machen.

00:26:12: Aber wir sehen im Moment einen Bedarf, der noch nicht hinreichend gedeckt ist und weil wir eben halt im Gesundheitssystem so eine große Not hat wollen wir diesen Bedarf decken und sehen uns da eben halt als ein Puzzlestück, zwar sehr entscheidendes Puzzestück aber auf jeden Fall was sich ergänzt.

00:26:31: Und am Ende möchte ja auch niemand pflegebedürftig werden muss man sagen.

00:26:34: letzte frage wie offen siehst du die politik für solche ansätze also ist?

00:26:39: da fällt es auf fruchtbaden wohnen was ihr davor schlägt oder überhaupt auch die kritik an den bestehenden umständen?

00:26:46: Wie bewertest du das?

00:26:48: Also Wir haben immer wieder kleine Einzelerfolge, die wir verzeichnen können.

00:26:55: Ich habe im Moment trotzdem noch den Eindruck, dass wir auch als Berufsgruppe noch zu leise sind und wir können uns noch nicht gut vertreten.

00:27:04: Wir haben nur noch zu wenig Mitglieder in den Gewerkschaften oder noch zu wenige in den Berufsverbänden usw.

00:27:11: Wir müssen glaube ich noch wirklich einen großen Zahn zulegen damit wir besser gehört werden.

00:27:17: also klar wir sind im moment auf einer großen Wiese wo wir versuchen uns auszubreiten aber da müssen wir eben halt Gas geben und müssen dann noch mehr Power selber in unsere eigene Berufsgruppe leisten.

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